Hinter Gittern - lebe ich in meiner eigenen Welt, wie in einer Zelle. Nichts ausser Wänden - ich will frei sein. Auf Freiheit, Glück und Freunde habe ich vergeblich gewartet, die kommen nie zu Besuch; Aggression und Verrat teilen den Raum mit mir. Also sind sie in mir selber! Neulich haben sie noch die Lustlosigkeit zu uns  gesperrt, willkommen im trauten Heim! Ich merke es auch an meiner Arbeit, bin noch gut, aber nicht mehr interessiert. Ich wünsche mir, das Dach würde verschwinden, ich könnte ins Freie klettern, sogar studieren, einen guten Job zu kriegen, einfach so wie alle anderen. Aber immer denke ich, das brauchst du doch nicht, wofür etwa Chemie pauken, wird doch nichts draus. Wenn ich mich konzentrieren soll, höre ich weg, denn ich möchte von anderen Dingen hören, von Urlaub, aus dem Mund von Freunden, die ich nicht hab und die nicht kommen, weil es keine gibt und weil es mich für die nicht gibt. Ich kann einfach nicht mehr, sehe alles grau in grau, bemüh dich nicht, mein Kind, du wirst nicht besser, es wird nie einen interessieren, was du willst und denkst und wovon du träumst. Du wirkst verschlossen, verschliess dich doch freiwillig, dann liegt es an dir. Die vier Wände drehen sich, ein Strudel zieht mich nach unten, wenn es nur vorbei wäre dadurch. Ich starre ins Dunkel. Monate habe ich in den Sand gesetzt, nichts von dem geschafft, was mich frei machen sollte. Wächter, reich mir den Schlüssel rein! Aber du denkst ja gar nicht dran.

Wer bist du, Wächterin Lustlosigkeit, und warum quälst du mich?

Einfach den Arsch hoch und dann wäre ich fein raus. Ich bin es selbst, versteht ihr mich, ihr, die ihr nicht da seid, nicht zuhört, euch einen Dreck um mich schert. Schöne Freunde seid ihr!

Ich will nur noch schreien und weg von hier.

 

30 Jahre in diesem Knast sind genug. Das Schloss ist durchgerostet, ich trete dagegen und die Tür - geht auf.

 


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