Wieso grenzt man Schwächere aus, warum erhalten wir keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt?

Neunzig Prozent aller Sonderschüler und Menschen mit einer Behinderung werden stattdessen in Behindertenwerkstätten untergebracht. Es wird zwischen verschiedenen Formen von Behinderungen unterschieden, was die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im Umfeld sehr erschwert, vom wirtschaftlichen ganz zu schweigen.

Wir Betroffenen finden uns in vielen Alltagssituationen vor Barrieren wieder, die sich kaum oder gar nicht überwinden lassen.

Behinderte Kinder haben ja jetzt – und das mit sofortiger Wirkung nach der UN-Behindertenrechtskonvention – das Recht, gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen.

Uns Erwachsene mit Behinderung hat man da vergessen. Wir dürfen in den Behindertenwerkstätten verrecken!!! Und im Bereich Arbeitsmarkt stehen wir immer vor verschlossenen Türen. Die Behindertenwerkstätten sind auch nicht gerade perfekt. Leute mit starken körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen haben einen gesonderten Bereich, den Förderbereich, aber keinen eigenen in der Werkstatt. Warum werden die ausgeschlossen?

Geistig und körperlich-motorische Beeinträchtigte haben es doch schon schwer genug – die müsste man doch nicht auch noch aus der Werkstatt ausschliessen.

Ich kenne eine Frau, die mittlerweile 31 Jahre alt ist und sehr gerne von daheim ausziehen will.

Sie hat mir gesagt, wie überaus belastend es für sie ist, so zu leben wie jetzt – denn ihre Mutter lässt sie überhaupt nichts alleine machen und behandelt sie wie ein Baby.

Das kenne ich zu gut, meine war auch so. Und die Frau darf noch nicht einmal raus aus dem Haus.

Ist doch kein Leben so. Ist doch voll öde. Arbeit, dann nachhause, schlafen. Am nächsten Tag das gleiche. Manchmal besucht sie ihre Schwester, aber nicht so oft. Ihr Leben ist so eintönig und einsam.

Wie sie bei ihren Eltern lebt, ist für sie eine Qual. Die will da raus. Ich will sie bei dem Versuch unterstützen. Sonst hat sie keinen. Sie hat niemanden, mit dem sie darüber reden kann; es gibt keinen, der sie genügend versteht.

Sie besitzt einen Talker, kommt aber mit dem nicht so gut zurecht. Aber wir beide üben immer und jetzt ist sie viel besser geworden. Sehen kann sie nur eingeschränkt, nur ein wenig. Sie läuft mit einem Rollator. Ich habe mit einer Beratungsstelle schon den Fall besprochen, aber es so geht’s: ”Leider können wir nur behilflich sein, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Hierzu gehört auch der gesetzliche Betreuer. Hieraus ergibt sich dann, welche Wohnformen geeignet wären z.B. ambulant betreutes Wohnen oder ein Wohnheim.”

Ist doch der Hammer, oder?

 

Das darf doch nicht wahr sein. Die Frau ist erwachsen, da darf man doch ab 25 ausziehen. Nur sie nicht, aufgrund ihrer Behinderung? Und es gibt gar keinen gesetzlichen Betreuer. Ihre Eltern kommen aus der Türkei. Bei ausländischen Familien ist es ein bisschen komplizierter, ähnlich wie bei mir. Bin ja Marokkanerin, habe auch ausländischen Familienhintergrund. Aber ich ging einfach so, mit 22. Kurz zu meiner Person: ich bin 29 Jahre alt. Spreche mit unterstützter Kommunikation, dem sogenannten Powertalker und komme damit sehr gut klar. Bin körperlich und geistig fit, war sogar viermal schon allein in Paris.

Ich habe jetzt auch eine eigene Homepage erstellt. Menschen, die sich für Menschen mit Behinderung interessieren, oder mehr über unterstützte Kommunikation erfahren wollen, sind herzlich willkommen, sich meine Seite anzusehen!

Das würde mich sehr freuen.

 

Talker-Hilfe.de

 

 

 

 

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