Ich bin dreissig Jahre alt. Mein gesamtes Leben lang bin ich schon allein. Meine Einsamkeit ist nicht unfreiwillig. Es gab Chancen sich mit anderen Menschen anzufreunden, mehr als genug. Aber dazu hätte ich etwas von meinem Leben erzählen müssen, erörtern, wie man mich versteht, wie mein Leben wurde, was es ist. Warum bin ich so? Stell dir vor, du bist irgendwo und niemand sieht dich an. Du bist behindert und sie lassen es dich merken. Die ganze Schikane, damit du ja nicht zu ihnen hinwillst. In der Schule wurde ich von meinen Klassenkameraden gehänselt und unterdrückt. Mir war klar, dass die sich mit mir nicht abgeben wollten. Eine ganze Schulzeit, ohne dass mal einer zu mir hingesehen hat!
 
Wenn sie mal Interesse an mir hatten, dann, um mich zu verletzen. Irgendwann haben sie das auch erreicht. Meistens sagten sie Sachen wie: Du sabberst, warum sabberst du eigentlich immer?
Rede mal ordentlich!
 
Vielleicht war ich nicht mutig genug, weil ich dachte, sie sind hübscher als ich, ich war einfach zu schüchtern und zurückhaltend.
 
Mein Charakter hat sich durch die Zeiten hin stark verändert, ich werde immer noch mit den gleichen Sätzen angesprochen. Aber ich strahle durch meine Offenheit Sympathie aus und höre einfach nicht mehr so hin wie früher.
Vor ein paar Jahren habe ich mir gedacht, ich könnte keine Freunde finden, weil die sich für mich schämen würden. Und das war ich irgendwie gewöhnt, keine Freunde, also, was soll's?
Wegen meiner Behinderung wäre ich Luft für die - und dann war ich's auch!
Behindert oder nicht, ich will nur einfach akzeptiert werden, kein Mitleid vor allem, auch nicht mit anderen Behinderten. Was ich nun will? Sie stärken und ihnen zeigen, wie man sein Päckchen trägt. Was eben so zum normalen Leben dazu gehört. Ich will nichts erleichtert. Das macht es nur schwerer.
 
Von dieser Schulzeit ist mir geblieben, dass ich immer reflexartig wegschaue, wenn jemand zu mir hinschaut. Statt zu lächeln, wenn mir ein fremder Mensch mal Interesse zeigt. Weiss ja doch gar nicht, ob er nicht Augenkontakt mit mir halten will, und ich breche ab. Immer wenn ich unterwegs bin, passiert mir das - und dann: selbst schuld!
 
Jetzt gibt es schon Gott sei Dank Partys, auf denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen feiern können.
Ich bin leider noch zu schüchtern. Mein Selbstwertgefühl muss noch wachsen.  
Ich gehe immer davon aus, dass die anderen mit mir nichts zu tun haben wollen, darum traue ich mich nie, irgendjemand auf solchen Partys oder Veranstaltungen anzusprechen.
Nette Menschen kennenlernen ist echt schwer und ich will nicht verletzt werden.
Kann ich hoffen? Gibt es jemand, der keine Berührungsängste vor Menschen mit Behinderungen hat?
 
(Ich grüsse Euch alle, vielleicht wolltet ihr zu mir, ich hab's nicht gemerkt!)

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